Artenschutz

"Biologische Vielfalt ist unser Leben"

Die Vereinten Nationen haben 2010 zum internationalen Jahr der biologischen Vielfalt erklärt. Bundesumweltminister Norbert Röttgen hatte zur Auftaktveranstaltung ins Naturkundemuseum Berlin geladen. "Der Schutz der biologischen Vielfalt hat dieselbe Dimension wie die Frage des Klimaschutzes. Wir brauchen eine Trendwende, jetzt unmittelbar, nicht irgendwann", mahnte die Bundeskanzlerin.

Angela Merkel bei ihrer Rede auf der Auftaktveranstaltung zum internationalen Jahr der biologischen Vielfalt in Berlin.
Merkel fordert: Trendwende zu mehr Artenschutz Foto: REGIERUNGonline/Kugler

Der Schutz der biologischen Vielfalt müsse besser erklärt und erforscht werden. Er soll stärker ins Bewusstsein der Gesellschaft treten, forderte Angela Merkel in ihrer Eröffnungsrede. Um dem Schutz der Biodiversität international mehr Gewicht zu geben, plädierte sie dafür, eine Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik nach dem Vorbild des Weltklimarates (IPCC) zu schaffen.

Aufgrund der engen Verzahnung von Artenschwund und Klimawandel, sprach sich Merkel zudem für eine Zusammenlegung der unterschiedlichen Umweltsekretariate zu einer schlagkräftigen UN-Umweltorganisation aus.

Die Trendwende ist noch nicht erreicht

Bundesumweltminister Norbert Röttgen wies darauf hin, dass das UN-Jahr kein Jubeljahr sei. Das Ziel, das sich die Weltgemeinschaft für 2010 gesetzt hatte, zumindest das Tempo des Artenschwundes zu reduzieren, ist verfehlt worden. Auch in Deutschland seien Dreiviertel der Lebensräume bedroht. Weltweit gingen jedes Jahr 13 Millionen Hektar Wald verloren. Das ist eine Fläche der Größe Griechenlands.

Angela Merkel forderte eine Trendwende und ein starkes Signal der Verantwortung, das von diesem Jahr der Biodiversität ausgehen müsse.

Naturschutz rentiert sich

Investitionen in den Schutz der Ökosysteme kosten Geld, deren Zerstörung ist aber wesentlich teurer. Das macht eine Studie deutlich, deren Ergebnisse im Herbst auf der 10. Vertragsstaatenkonferenz in Japan präsentiert werden sollen. Sie wurde gemeinsam von der Bundesregierung, der Uno und der EU in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse, die bislang vorliegen, machen bereits deutlich, dass mit der Zerstörung von Ökosystemen erhebliche wirtschaftliche Schäden entstehen.

Umgekehrt lohnt sich die Investition in ihren Erhalt oder ihre Wiederherstellung. Merkel nannte als Beispiel das Wiederaufforsten von Mangrovenwäldern in Vietnam. Das hätte eine Million Dollar gekostet, aber viele Millionen gespart, weil man andernfalls in Küstenschutz hätte investieren müssen.

Taten statt Worte 

Neben der Forderung nach einer Schnittstelle zwischen Politik und Wirtschaft nannte Merkel drei konkrete Programmpunkte für den Schutz der Biodiversität:

  • Das weltweite Netz an natürlichen Schutzgebieten soll ausgeweitet werden. Dazu müsse die Bevölkerung vor Ort jeweils eingebunden werden.

  • Die Kanzlerin bekräftigt das Ziel, das bereits 2008 formuliert wurde, die Mittel für den Erhalt von Lebensräumen bis zum Jahr 2013 auf eine halbe Milliarde Euro jährlich zu steigern. Schutz der Arten sei immer auch Teil der Entwicklungspolitik. In Afrika könnten durch den Klimawandel 40 Prozent der Arten bedroht sein. Das gefährde die gesamte Lebensgrundlage der dortigen Bevölkerung.

  • Dieses Jahr soll ein internationales Abkommen verabschiedet werden, das den Zugang und die Nutzung genetischer Ressourcen regelt. Hier soll ein Interessenausgleich insbesondere zwischen den Herkunftsländern und den Ländern, die das Material verwerten, geschaffen werden. Die finanziellen Vorteile sollen überwiegend den Herkunftsländern zugutekommen, sagte die Kanzlerin.

 Die nächsten Schritte

Deutschland hat seit der neunten Vertragskonferenz in Bonn im Mai 2008 die Präsidentschaft der UN-Konvention zum Schutz der Biodiversität inne. Sie endet mit der nächsten Konferenz in Japan. 

Am 20. September 2010 treffen sich die Regierungschefs der Mitgliedsländer bei der UN-Vollversammlung, um sich auf die nächste Vertragsstaatenkonferenz im Oktober 2010 vorzubereiten. Dort werden sich die Regierungen Ziele setzen und Schritte skizzieren, die notwendig sind, um dem weiteren Verlust der Biodiversität zu begegnen.

Deutschland gilt als treibende Kraft bei den internationalen Bemühungen um den Schutz der biologischen Arten. Während der G8-Präsidentschaft im Juni 2007 ist es Bundeskanzlerin Merkel gelungen, das Thema auf die Agenda der Staats- und Regierungschefs zu setzen. 

Die Konvention zum Schutz und Erhalt der Biologischen Vielfalt (CBD = Convention on Biological Diversity) ist ein völkerrechtlicher Vertrag zwischen zahlreichen souveränen Staaten. Nach ursprünglich 150 Unterzeichnerstaaten ist der Vertrag inzwischen von 192 Mitgliedstaaten unterzeichnet und auch ratifiziert worden. Das wichtigste Entscheidungsgremium ist die so genannte Vertragsstaatenkonferenz (engl.: Cop: Conference oft the Parties). Alle zwei Jahre treffen sich Abgeordnete der Vertragsstaaten, um Beschlüsse und Erklärungen zu verabschieden.

Montag, 11. Januar 2010

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