Merkel erhält Ehrendoktorwürde

"Verachtet mir den Kompromiss nicht"

Die Handelshochschule Leipzig hat Kanzlerin Merkel die Ehrendoktorwürde verliehen. In ihrer Rede lobte die Kanzlerin das werteorientierte Leipziger Führungsmodell, das auf Persönlichkeiten "mit innerem Kompass" setze. 

Rektor Stephan Stubner überreicht der Kanzlerin die Urkunde in der Oper Leipzig. Ministerpräsident Kretschmar und Christine Lagarde applaudieren.
Rektor Stephan Stubner überreicht der Kanzlerin ihre Urkunde. Laudatorin Christine Lagarde (li.) und Ministerpräsident Michael Kretschmer (re.) applaudieren. Foto: Bundesregierung/Steins

Es sei ihr "eine große Freude", die Ehrendoktorwürde der Handelshochschule Leipzig entgegennehmen zu dürfen, erklärte die Bundeskanzlerin vor den rund 1.200 Gästen in der Leipziger Oper. Ihr Dank galt auch Christine Lagarde und den "bewegenden Worten" in ihrer Laudatio. Die Auszeichnung fand im Rahmen der Graduiertenfeier der Handelshochschule statt.

Die rund 200 Absolventinnen und Absolventen der Handelshochschule kommen zu über einem Drittel aus dem Ausland. Die Kanzlerin bat sie, wenn sie denn nicht in Deutschland bleiben, Botschafter zu werden - Deutschlands, Sachsens, Leipzigs: "Lassen Sie Ihr Studium hier ein völkerverbindendes Zeichen sein".

"Die Erdanziehungskraft galt auch bei uns"

Sie erinnerte sich auch an die eigene Studienzeit in Leipzig - es habe damals "Spaß gemacht, in eine diskussionsfreudige Forschungslandschaft hineinzutauchen". Für das Studium der Physik habe sie sich auch entschieden, da die DDR "vieles verbiegen konnte, aber die Naturwissenschaften nicht - die Erdanziehungskraft galt auch bei uns". 

In Erinnerung geblieben sei ihr ein Widerspruch: Einerseits wollte die DDR lebendige, erfolgreiche Forscher, die in ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit frei denken sollten. Außerhalb der Universität sollten die Wissenschaftler dann aber aufhören mit dem freien Denken "und dem Staat dankbar sein" - "das beides ging hinreichend schlecht zusammen", erklärte die Kanzlerin.

Führung mit innerem Kompass 

Mit der Auszeichnung würdigt die Leipziger Hochschule die Führungsleistungen der Kanzlerin. Merkel wiederum lobte das Leipziger Führungsmodell, das an der Handelshochschule entwickelt worden sei. Diese begnüge sich nicht mit einer verengten Sichtweise auf den Shareholder Value, sondern setze auf Führungspersönlichkeiten, die einen inneren Kompass besitzen, "der auf übergeordneten Werten beruht".

Werteorientierte Führung habe stets das große Ganze im Blick - "das Wohl des Unternehmens, der Mitarbeiter, der Kunden und der Gesellschaft" - nicht kurzfristig, sondern "über eine längere Strecke". 

Suche nach Ausgleich und Kompromiss

Die Gesellschaft sei aufgerufen, die Unternehmerinnen und Unternehmer anzuerkennen, den Führungskräften etwas zuzutrauen. Aber genauso sei es nötig, dass auch die Unternehmen "die gesamtgesellschaftliche Verantwortung spüren". 

Führung setze die Fähigkeit voraus, "verschiedene Interessen wahrzunehmen, aufzugreifen und einen Raum zu finden, in dem Ausgleich und Kompromissfindung möglich sind", so die Kanzlerin. "Verachtet mir den Kompromiss nicht, ohne den Kompromiss kann die Gesellschaft nicht zusammenhalten".

Samstag, 31. August 2019

Impressum

Datenschutzhinweis

© 2019 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung