Deutscher Handwerkstag 2016

Ausbildung ist beste Integrationsmaßnahme

Auf dem Deutschen Handwerkstag lobte die Bundeskanzlerin den großen Einsatz des Handwerks bei der Integration von Flüchtlingen. Zugleich mahnte sie, in der Berufsausbildung das Thema Digitalisierung stärker in den Fokus zu rücken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel spricht auf dem Handwerkstag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks.
Fast 400.000 Auszubildende hat das deutsche Handwerk derzeit. Foto: Bundesregierung/Bergmann

Vor 300 Spitzenvertretern des Handwerks ging Merkel in Münster besonders ausführlich auf die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt ein. So sei es zum einen wichtig, über Praktika herauszufinden, welche Kompetenzen die Flüchtlinge bereits besitzen; zum anderen aber auch, sie anschließend in Ausbildungsverhältnisse zu bringen. "Ausbildung ist die beste Integrationsmaßnahme", sagte sie und berichtete von einem jungen Afghanen, der vor fünf Jahren nach Deutschland gekommen ist und in diesem Jahr zum besten Stuckateur-Azubi Deutschlands gekürt wurde.

Lob für starkes Engagement des Handwerks

Merkel lobte das große Engagement des Handwerks für Flüchtlinge, nannte als Beispiel die Initiative "Wege in Ausbildung für Flüchtlinge" und wies auch auf die verschiedenen Maßnahmen der Bundesregierung hin. So erleichtert etwa die Aussetzung der Vorrangprüfung oder das Projekt "Willkommenslotsen" den Flüchtlingen den Weg in den Arbeitsmarkt.

Mehr Akzeptanz für Digitalisierung

Erfreut zeigte sich die Bundeskanzlerin über die entgegen dem demografischen Trend steigende Zahl von Ausbildungsverträgen im Handwerk. Sie mahnte jedoch an, die Ausbildungscurricula stärker auf die fortschreitende Digitalisierung auszurichten. In einer alternden Gesellschaft wie Deutschland sinke die Innovationskraft, sagte sie. Dem müsse man entgegensteuern. Zudem sei es notwendig, die gesellschaftliche Akzeptanz für die Digitalisierung zu stärken. "Ich bin der Meinung, dass das Thema Digitalisierung in der Gesellschaft noch nicht so angekommen ist, wie es notwendig wäre."

Datenschutz an machen Stellen unverhältnismäßig

"Die Zahl der Kröten und Störche ist in Deutschland gut erfasst, aber wenn man herausfinden will, wie viele Studienabbrecher es gibt, bekommt man schon Probleme", kritisierte Merkel und wies darauf hin, dass der Datenschutz an manchen Stellen unverhältnismäßig sei. Am Bespiel Estlands führte sie aus, dass die Digitalisierung sogar zu mehr Datenschutz führen kann. Dort sind alle Krankenakten digitalisiert und online zugänglich. Viele Deutsche würden sich davor fürchten. "Dabei wissen wir gar nicht, wer im Krankenhaus alles unsere Krankenakte liest", sagte Merkel. "In Estland hingegen kann jeder genau nachvollziehen, wer auf sein Profil zugreift." 

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks e. V. (ZDH) ist der Spitzenverband des deutschen Handwerks. Er vertritt die Interessen von mehr als einer Million Handwerksbetrieben in Deutschland und damit von rund fünf Millionen Beschäftigten. Gemeinsam erwirtschaften die Betriebe einen Jahresumsatz von rund 533 Milliarden Euro. 

Freitag, 9. Dezember 2016

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