EU-Afrika-Gipfel

Chancen nutzen - Hand in Hand

Europa und Afrika wollen enger zusammenarbeiten. Die Vertreter aus 28 EU-Ländern und 54 afrikanischen Staaten beendeten ihr Gipfeltreffen in Brüssel. Man war sich einig, dass sich Afrika vom Krisen- zum Chancenkontinent gewandelt hat. Die Chancen und Perspektiven wolle man in Zukunft besser nutzen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel lacht beim Familienfoto mit Herman von Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon
Nach den Gesprächen des ersten Tages kommen alle Teilnehmer zum "Familienfoto" zusammen. Foto: Bundesregierung/Kugler

Frieden und Sicherheit, aber auch Bildung und Ausbildung, Wachstum und Wohlstand, gute Regierungsführung, Demokratie, Entwicklung und Klima waren Themen des Gipfels.

EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy begrüßte eine Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Afrika und der Europäischen Union. Beide profitierten von einer engeren Kooperation. Europa brauche Afrikas Hilfe bei der Bekämpfung des Klimawandels und bei der Migrationsfrage.

Die EU wiederum setze sich mit finanzieller, ziviler und militärischer Hilfe seit Langem für eine Lösung der Konflikte und mehr Sicherheit auf dem afrikanischen Kontinent ein. Darüber hinaus sei Europa ein wichtiger Handelspartner für Afrika. Eine Öffnung des Handels nutze beiden Seiten.

Handel statt Hilfe

Die Europäische Union will die Entwicklung Afrikas zunehmend mit einem Ausbau des Handels anstatt mit Entwicklungshilfe fördern. "Wir haben das Handelsvolumen zwischen Afrika und Europa in vergangenen Jahrzehnt verdoppelt, aber wir können mehr tun", sagte Van Rompuy nach dem zweitägigen Gipfel in Brüssel.

Die EU hoffe, in Zusammenarbeit mit Unternehmen bis zu 30 Milliarden Euro aufzubringen, die über gemeinsame Projekte unter anderem in den Aufbau der Infrastruktur in Afrika fließen sollen. Allerdings sei Rechtsstaatlichkeit unabdingbar, wenn europäische Firmen sich in Afrika engagieren sollten, mahnte der Ratspräsident an.

Gemeinsam gegen illegale Migration

Europäische und afrikanische Staaten wollen gegen illegale Migration vorgehen. In einer gemeinsamen Erklärung sagten die Staaten zu, den Menschenhandel zu unterbinden, die Grenzen besser zu sichern und die Armut zu bekämpfen. Zugleich solle aber die legale Einwanderung gefördert werden, damit Afrikaner als Arbeitskräfte nach Europa kommen können. Flüchtlingsdramen, wie das von Lampedusa, sollten dadurch vermieden werden, so Von Rompuy weiter.

Der Präsident der Europäischen Kommission, Barroso, lobte abschließend den Fortschritt in den Beziehungen zwischen Europa und Afrika. Der Gipfel sei ein Prozess gewesen, der alle einander näher gebracht habe. Nun wolle man "Hand in Hand" weitergehen. Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten sei Afrika ein aufstrebender Kontinent.

Mehr Engagement in Afrika

Schon am ersten Gipfeltag haben Deutschland und Frankreich angekündigt, sich für eine engere Partnerschaft zwischen Europa und Afrika einzusetzen. Beide Länder wollten hier "Motor" sein, betonte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Rande des EU-Afrika-Gipfels in Brüssel. Deutschland wolle zudem mehr Verantwortung auf dem Kontinent zeigen.

Zusammen mit dem französischen Staatspräsidenten François Hollande erklärte die Kanzlerin am Rande des Gipfels die Absicht, gemeinsam in Afrika handeln zu wollen. Es gebe eine große Verbundenheit zwischen Deutschland und Frankreich, betonte Merkel. "Und zwar nicht nur, was die bilateralen Beziehungen anbelangt, sondern auch, was unser Engagement in der Welt anbelangt."

Deutschland und Frankreich verfolgten parallele Ansätze in der Entwicklungs- und der Sicherheitspolitik, unterstrich die Kanzlerin.

Junger Chancenkontinent

"Der Nachbarkontinent Afrika gewinnt an Bedeutung", hatte die Bundeskanzlerin während des Gipfels betont. Afrika sei ein junger Kontinent, die Hälfte der Bevölkerung sei unter achtzehn Jahren. Diese Menschen verlangten nach Demokratie und Entwicklung.

Merkel plädierte für einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen. Der Schwerpunkt sollte sein, in die Menschen zu investieren, damit Afrika als selbstbewusster Kontinent selbst seine Probleme lösen könnte. Europa könne Afrika über mehr Handel, mehr Investitionen und mehr Hilfe zur Selbsthilfe unterstützen.

In der Zusammenarbeit gehe es auch um den Kampf gegen die illegale Migration und das Schleusertum, sagte die Bundeskanzlerin. "Auf der anderen Seite wollen wir die legale Zuwanderung in Berufe, in Arbeit auch in Europa ermöglichen und damit auch jungen Menschen aus Afrika eine Chance geben".

Entwicklung in der Zentralafrikanischen Republik

Überschattet wurde das Treffen zuvor von der Gewalt in der Zentralafrikanischen Republik. Die Europäische Union hat daraufhin eine lange geplante Truppe von knapp 1.000 Soldaten in die Zentralafrikanische Republik offiziell entsandt.

Die EU-Staaten hatten in Brüssel grünes Licht für die Militäroperation gegeben. Die Soldaten sollen vor allem auf dem Flughafen der Hauptstadt Bangui und in der Stadt selbst Gesetz und Ordnung wiederherstellen.

Eigenverantwortung Afrikas stärken

Eine wichtige Rolle auf dem Gipfel spielte die so genannte "Enable and Enhance-Initiative" (E2I). Damit "wollen wir die Afrikaner befähigen, ihre eigenen Sicherheitsstrukturen aufzubauen und dann auch mit den notwendigen Materialien auszustatten", erklärte Merkel. Der Gipfel diente auch dazu, die Initiative mit den afrikanischen Partnern zu besprechen.

Ziel der Initiative "Enable and Enhance" ist es, afrikanische Partner wie die Afrikanische Union, Regionalorganisationen und individuelle Staaten durch Angebote in Ausbildung, Beratung und Ausrüstung in die Lage zu versetzen, verstärkt eigenständig für Stabilität und Sicherheit zu sorgen.

3.04.2014

Start:
2.04.2014
Land:
Belgien
Stadt:
Brüssel

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