Die Risiken transparent und beherrschbar machen

Bei den Vorbereitungen für den Weltfinanzgipfel in zwei Wochen arbeiten Deutschland und Großbritannien eng zusammen. Angesichts einer drohenden Rezession gelte es zu verhindern, dass sich die Finanzkrise auf weitere Teile der Weltwirtschaft ausdehne. Dies erklärten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der britische Premier Gordon Brown in London.

In Vorgesprächen mit europäischen und internationalen Partnern wollen Merkel und Brown dafür sorgen, dass der der G20-Gipfel am 15. November ein Erfolg wird.

So reist Brown am Wochenende zu Gesprächen in die Golfstaaten. Die Kanzlerin will in verschiedenen Gesprächen zur Vorbereitung des nächsten Sondergipfels der Europäischen Union (EU) zur Finanzkrise vorbereiten. Die 27 Staats- und Regierungschefs der EU treffen sich am 7. November in Brüssel.

Mit den Regierungen von China und Indien hatte Merkel bereits vergangen Woche bei einem asiatisch-europäischen Gipfel in Peking über gemeinsame Schritte beraten.

Die Krise der Märkte sei ein globales Problem, dass nur multilateral gelöst werden könne, sagte Merkel. Der Erfolg des Weltfinanzgipfels hänge entscheidend davon ab, dass alle Teilnehmerländer in die Vorbereitungen einbezogen würden.

Die Gruppe der 20 (G20) ist ein informelles Forum, das den Dialog der Industrie- und Schwellenländer mit dem Ziel weltweiter wirtschaftlicher Stabilität fördern soll. In der G20 sind die Finanzminister und Notenbankchefs von 19 Staaten Mitglied. Neben Deutschland sind dies: Argentinien, Australien, Brasilien, China, Frankreich, Kanada, Indien, Indonesien, Italien, Japan, Mexiko, Russland, Saudi Arabien, Südafrika, Südkorea, Türkei, UK und USA. Die Europäische Union ist ebenfalls Mitglied, vertreten durch die rotierende EU-Ratspräsidentschaft und die Europäische Zentralbank.

Erste Hilfe, dann Prävention

„Es geht darum, die akuten Symptome zu bewältigen – und in einem zweiten Schritt aus der Krise zu lernen“, sagte Merkel nach dem Treffen mit Brown.

Damit das gelinge, bleibe noch einiges zu tun. Ein international koordinierter Ansatz sei jedoch der einzige Weg, um sicherzustellen, dass die Rettungsmaßnahmen der nationalen Regierungen tatsächlich wirkten. „Niemand kann das allein schaffen“, betonte auch Brown.

Vom Weltfinanzgipfel in Washington sollen nach dem Willen der Kanzlerin „klare Signale“ ausgehen: für mehr Transparenz auf den Märkten, für einen stärkeren Internationalen Währungsfonds (IWF) und für eine „globale Arbeitsteilung“. Der IWF soll dafür als Aufsichtsbehörde für die internationalen Finanzmärkte mehr Kompetenzen erhalten – und eine bessere Ausstattung.

Zu lange seien zu viele Darlehen in der Welt intransparent und mit unkalkulierbaren Risiken verbunden gewesen, befand Gordon Brown.

„Wir müssen die Risiken beherrschbar machen und die Bindung der Finanzmärkte an die übrige Wirtschaft stärken“, unterstrich die Kanzlerin. Wenn sich die Finanzwirtschaft wieder auf die allgemeingültigen Regeln der wirtschaftlichen Vernunft besinne, müsse auch nicht für jede Kleinigkeit eine Regelung her.

Stärkere Ausstrahlung auf die Wirtschaft verhindern

Trotz dunkler Wolken am Konjunkturhimmel zeige die Krise glücklicherweise keine größeren Auswirkungen auf die allgemeine wirtschaftliche Situation, sagte Merkel. Damit das so bleibe, heiße es jetzt, schnell zu agieren und den Märkten klare Signale zu geben.

Dabei dürften andere drängende Themen wie der Klimaschutz und ein fairer Welthandel nicht ins Hintertreffen geraten, warnte die Kanzlerin. Die neuen Regeln für eine Weltfinanzordnung müssten die übrigen Herausforderungen, vor denen die Weltgemeinschaft steht, stets im Blick behalten.

30.10.2008

Start:
30.10.2008
Land:
Großbritannien
Stadt:
London

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