Kanzlerin im Gespräch

Merkel: "Das Amt macht mir Spaß"

Im Gespräch mit WDR-Intendantin Monika Piel hat Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihren Lebensweg in der DDR und ihre zwanzigjährige politische Karriere zurückgeblickt. Die historische Umbruchzeit 1989/90 markierte auch für die Kanzlerin einen ganz persönlichen Wandel: von der Naturwissenschaft hinein in die Politik.

Bundeskanzlerin Angela Merkel während einer Pressekonferenz in der Bundespressekonferenz.
Bundeskanzlerin Angela Merkel Foto: REGIERUNGonline/Köhler

Dezember 1989: mit dem Eintritt beim Demokratischen Aufbruch begann die politische Karriere von Angela Merkel. Im Februar 1990 übernahm sie hier ihre erste politische Aufgabe als Pressesprecherin.

Von der EDV-Spezialistin zur Spitzenpolitikerin

Allerdings geschah dies für die junge Naturwissenschaftlerin durchaus überraschend. Beim Demokratischen Aufbau sollte sie zunächst die neuen Computer und das EDV-Netzwerk einrichten. Weil der damalige Pressesprecher aber bei einem Parteitag fehlte, wurde sie kurzerhand zur neuen Pressesprecherin ernannt.

Eine Aufgabe, die Merkel nach der ersten freien Volkskammerwahl auf das Amt der stellvertretenden Regierungssprecherin unter Lothar de Maizière vorbereitete. Rückblickend eine aufregende Zeit: „Das war ein ziemliches Abenteuer. Wir haben alles gelernt zwischen März und September und am 3. Oktober war schon die Deutsche Einheit.“

Im Zuge der ersten gesamtdeutschen Wahl folgte bereits das erste Ministeramt. Mit 36 Jahren wurde Angela Merkel am 18. Januar 1991 als Ministerin für Jugend und Familie vereidigt. Eine große Herausforderung, die viel Neues mit sich brachte – etwa das Minister mit grünem Stift schreiben und Staatssekretäre mit rotem, wie sich die Kanzlerin schmunzelnd erinnerte.

Um eine solche politische Herausforderung in jungen Jahren erfolgreich meistern zu können, sei eines am Allerwichtigsten, so Merkel: „Nicht abzuheben!“ Mit dem Amt als Umweltministerin kam das politische Handeln in einem internationalen Umfeld hinzu. Etwas, was ihr heute noch als Kanzlerin zu Gute komme.

Vom eigenen Kurs überzeugen

Ihren Führungsstil bezeichnete die Kanzlerin als ein „sehr zielorientiertes Arbeiten“, was aber gelegentlich als „Moderieren“ missverstanden werde. Sie fühle sich aber dem Motto eines ihrer männlichen Amtsvorgänger verpflichtet: „Entscheidend ist, was hinten herauskommt und nicht, wie man es erreicht hat.“

Ohne Risiken einzugehen, könne Politik nicht betrieben werden, betonte Merkel. „Oft müssen sie sehr spontan und deutlich Stellung beziehen.“ In schwierigen Zeiten erwarteten die Menschen vor allem zweierlei: Präsenz und Aussagen.

Dies habe auch ihr Regierungshandeln während der Wirtschaftskrise bestimmt. Offenbar sei dies auch bei den Bürgerinnen und Bürgern nicht „ganz so schlecht“ angekommen. Immerhin sei sie in Krisenzeiten wiedergewählt worden, worauf sie schon ein bisschen stolz sei, bekannte die Kanzlerin.

Sonntag, 17. Januar 2010

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