Terroranschlag in Istanbul

Offenbar kein gezieltes Attentat auf Deutsche

Die zehn deutschen Todesopfer des Terroranschlags in Istanbul sind nach Berlin überführt worden. Der Attentäter hat sich nach Angaben von Bundesinnenminister de Maizière nicht gezielt deutsche Touristen als Opfer ausgesucht.

Die zehn deutschen Todesopfer des Terroranschlags in Istanbul sind am 16. Januar nach Berlin überführt worden. Das teilte das Auswärtige Amt mit.

Am Mittwoch hatte sich Bundesinnenminister Thomas de Maizière in Istanbul über Hintergründe und Folgen des Terroranschlagsinformierte. Er traf seinen türkischen Amtskollegen Efkan Ala und besuchte die Verletzten im Krankenhaus sowie den Ort des Anschlags in der Nähe der Blauen Moschee.

De Maizière: Keine Hinweise auf gezielten Angriff auf Deutsche

"Derzeit liegen keine Anzeichen vor, dass der Anschlag gezielt gegen Deutsche gerichtet war", sagte der Innenminister in Istanbul. "Ich sehe keinen Grund, von Reisen in die Türkei abzusehen", so de Maizière. Allerdings müssten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachtet werden.

De Maizière betonte, dass die Bundesregierung im Kampf gegen den Terror an der Seite Ankaras stehe. "Wir wissen, wir sind beide bedroht vom Terrorismus. Deshalb muss auch die Antwort eine gemeinsame sein", sagte der Bundesinnenminister. "Deutschland und die Türkei rücken noch enger zusammen." Beide Minister nannten etwa einen intensiveren Datenaustausch über Terrorverdächtige.

Am Dienstagmorgen (12. Januar) hatte sich ein Selbstmordattentäter inmitten einer Touristengruppe vor der Blauen Moschee in Istanbul in die Luft gesprengt. Die türkische Regierung macht die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) verantwortlich. Bei dem Attentat sind nach derzeitigen Erkenntnissen zwölf Menschen - darunter zehn Deutsche - gestorben. Zahlreiche weitere wurden verletzt.

Die Identität des Attentäters sei noch nicht zweifelsfrei festgestellt, erklärte de Maizière am Mittwochabend in den ARD-"Tagesthemen". Bei dem Mann sei ein Personaldokument gefunden worden, doch "ob das Personaldokument identisch ist mit diesem Mann, ist alles noch Gegenstand der Aufklärung." Deutschland habe vier BKA-Beamte nach Istanbul geschickt, die vollen Zugang zu den Ermittlungsergebnissen bekämen.

Merkel: "Terroristen sind Feinde aller Menschlichkeit"

Die Bundesregierung hat den Terroranschlag in Istanbul verurteilt. "Die Terroristen sind Feinde aller freien Menschen, ja sie sind Feinde aller Menschlichkeit", hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Dienstag (12. Januar) gesagt. "Meine Gedanken sind in diesen Stunden bei den Angehörigen der Opfer, bei den Verletzten", erklärte die Kanzlerin. Ihnen wolle sie sagen: "Sie sind nicht allein. Wir stehen an Ihrer Seite und wünschen Ihnen Trost und Kraft bei dieser schweren Prüfung."

Ministerpräsident Ahmet Davutoğlu und Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan hätten ihr telefonisch "das tiefe Beileid der türkischen Regierung, aber auch des türkischen Volkes übermittelt." Die Deutschen, so Merkel, gedächten auch der türkischen Opfer bei diesem und bei früheren Attentaten. "Wir Deutschen fühlen uns den Menschen in der Türkei in Solidarität verbunden."

Kanzlerin Merkel verurteilt Terroranschläge in Istanbul

Kanzlerin Merkel verurteilt Terroranschläge in Istanbul

Entschlossen gegen Terrorismus vorgehen

Neben der Trauer zeige der Anschlag auch weiterhin die Notwendigkeit, gegen Terrorismus vorzugehen. "Unsere Entschlossenheit, gemeinsam mit unseren europäischen und internationalen Partnern gegen den Terror vorzugehen, und unsere Freiheit werden sich gegen den Terrorismus durchsetzen", betonte Merkel noch einmal beim Festakt zum 125. Geburtstag des Ökonomen Walter Eucken (13. Januar) in Freiburg.

Anschlag zielte ins Herz Istanbuls

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bekräftigte: "Wir dürfen und wir werden uns von Mord und Gewalt nicht einschüchtern lassen. Im Gegenteil: Gemeinsam mit unseren Partnern auf der Welt werden wir auch weiter dem Terror auf allen Ebenen entgegentreten: Mit den Mitteln von Polizei und Rechtsstaat, und im Kampf um die Köpfe junger Menschen."

Steinmeier erklärte: "Wir verurteilen diesen barbarischen, feigen Akt des Terrors auf das Schärfste. Er zielte mitten in das Herz der türkischen Metropole Istanbul, die wir alle für ihre Weltoffenheit schätzen. Wir stehen in diesen Stunden fest an der Seite der Türkei. Wir trauern um die Opfer dieses mörderischen Anschlags."

"Der 12. Januar hat wieder schmerzlich gezeigt: Das Krebsgeschwür des Terrorismus verschont niemanden", sagte der Außenminister. "Für alle Staaten der OSZE und darüber hinaus ist diese Art des barbarischen und feigen Tötens eine Bedrohung gleichermaßen."

Steinmeier rief alle Partner in der OSZE dazu auf, sich von Mord und Gewalt nicht einschüchtern zu lassen. "Im Gegenteil: Umso entschlossener wollen wir uns gemeinsam anstrengen, dem Terror auf allen Ebenen entgegen zu treten." Dabei müssten viele Ansätze und Mittel zum Tragen kommen – von der Deeskalation von Konflikten über den Einsatz von Polizei und Rechtsstaat bis hin zur Bekämpfung mörderischer Ideologien in den Köpfen junger Menschen.

Krisenstab im Auswärtigen Amt

Jetzt gelte es, rasche Aufklärung über die Täter und die Hintergründe zu erlangen, so Steinmeier. Der Krisenstab der Bundesregierung im Auswärtigen Amt sei sofort zusammengetreten. Er arbeite gemeinsam mit dem Generalkonsulat Istanbul und der Deutschen Botschaft Ankara mit Hochdruck daran, belastbare Erkenntnisse über den Anschlag und das Schicksal der Betroffenen zu erlangen. "Wir stehen hierzu im engsten Kontakt mit den türkischen Behörden", erklärte der Außenminister.

Schweigeminute im Bundeskabinett

Das Bundeskabinett kam am Dienstagabend zu einer Sondersitzung zusammen. Thema war der Stand der Ermittlungen und die Hilfe an die Betroffenen. Die Kabinettsmitglieder gedachten der Opfer der Anschläge in einer Schweigeminute.

Samstag, 16. Januar 2016

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