Mitschrift Pressekonferenz

Im Wortlaut

Pressestatement von Bundeskanzlerin Merkel beim deutsch-israelischen Wirtschaftsroundtable

in Jerusalem

BK'in Merkel: Ich möchte Sie auch von meiner Seite aus ganz herzlich begrüßen. Das ist hier eine neue Facette, ein neues Kapitel unserer deutsch-israelischen Regierungskonsultationen. Bislang hatten wir dabei kein Treffen mit Wirtschaftsvertretern. Deshalb begrüße ich natürlich auch die Vertreter der Politik, unseren Wirtschaftsminister und auch die israelische Seite.

Es ist auch symbolisch, dass wir hier im historischen Museum sind und unter tausendjährigen Exponaten einen Blick in die Zukunft werfen. Die wenigen Stände, die wir eben schon besuchen konnten, haben uns gezeigt, was hier an interessanter Kooperation besteht und was an Kooperation vielleicht noch entstehen kann.

Es ist bewundernswert, dass Israel eine so lebhafte und lebendige Forschungslandschaft, was etwa Hightech angeht, und auch sehr gute Finanzierungsmöglichkeiten hat und dass sich hier wirklich ein Environment, wie man heute ja so schön sagt, herausgebildet hat, das mit dem Silicon Valley ‑ in China würde man vielleicht Shenzhen sagen ‑ mithalten kann. Für uns ist das natürlich eine schöne und wirklich gute Form der Kooperation, die wir auch gern eingehen wollen. Wir haben eben ein bisschen um die Wette gefragt, wo die Zulassungsprozeduren besser sind, wo die Bürokratie geringer ist, wo die Finanzierung besser ist ‑ wahrscheinlich in Israel. Ich denke, auch wir als Politiker ‑ das sollte jetzt auch unsere Diskussion bestimmen ‑ können noch ein bisschen voneinander lernen, was man besser machen kann, um die hohe Dynamik der Entwicklung wirklich voranzubringen.

Für mich wäre auch interessant, wie Sie auf der israelischen Seite mit dem doch sehr einnehmenden Wesen großer amerikanischer Konzerne umgehen. Wollen Sie lieber selbstständig bleiben, oder sind Sie bereit, sich zu verkaufen? Wir sehen ja in Deutschland, dass Start-ups ab einer bestimmten Größe auch in eine gewisse Gefahr geraten, ihre Selbstständigkeit zu verlieren. Für uns sind die steuerrechtlichen Fragen sehr wichtig. So ist also für uns Ihr wirtschaftlicher Erfolg interessant, aber vor allen Dingen auch die Frage, was Sie sich von den politischen Rahmenbedingungen wünschen und erhoffen und was man vielleicht voneinander lernen kann; denn die schaffen wir ja, Fördergelder und Ähnliches.

Wir haben in Deutschland sehr viel in Forschung investiert. Seitdem ich Bundeskanzlerin bin, seit dem Jahr 2005, sind die Forschungsausgaben um 65 Prozent gesteigert worden. Aber wir wissen: Israel gibt sehr viel aus, auch Südkorea, und die Welt schläft nicht. Wir müssen immer wieder schauen, das richtig anzubringen. Israel hat zum Beispiel die steuerliche Forschungsförderung. Wir haben diese steuerliche Forschungsförderung noch nicht, wollen sie jetzt aber implementieren.

Ich sage also einfach: Ich freue mich auf die Diskussion. Ich freue mich, dass Sie alle zusammen sind. Wenn beim nächsten Mal noch irgendwo eine Frau unter den vielen hoffnungsvollen Zukunftslenkern wäre, wäre das auch kein Fehler. Start-up, das scheint noch eine sehr männliche Domäne zu sein. Aber Sie sind mir alle herzlich willkommen. Das war keine Kritik an denen, die hier sitzen, sondern nur eine Ermunterung für die, die noch dazukommen können.

Donnerstag, 4. Oktober 2018

Impressum

Datenschutzhinweis

© 2019 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung