Freitag, 16. August 2013

Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der Einweihung des neuen Forschungskomplexes des Friedrich-Loeffler-Instituts

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
16. August 2013, Freitag
Ort:
Insel Riems

Insel Riems

Sehr geehrter Herr Professor Mettenleiter,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Friedrich-Loeffler-Instituts,
sehr geehrte Frau Bundesministerin, liebe Ilse Aigner,
liebe Kolleginnen und Kollegen aus dem Deutschen Bundestag, aus dem Landtag und aus anderen Parlamenten,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrter Herr stellvertretender Landrat,
sehr geehrte Frau Rektorin der Greifwalder Universität,
meine Damen und Herren,

das Friedrich-Loeffler-Institut gehört weltweit zu den ältesten Einrichtungen der Virusforschung. Und wir freuen uns, dass der Enkel von Friedrich Loeffler heute bei uns ist. Er hat sich entschlossen, sich mehr der Humanmedizin zu widmen, aber er ist immerhin im Bereich der Medizin geblieben.

Mit dem heutigen Tag unterstreicht das Institut noch einmal, dass es nicht nur zu den ältesten Einrichtungen der Virusforschung gehört, sondern auch die Zukunft mitgestalten möchte. Als eine der modernsten Forschungsstätten hat es auch einen Spitzenplatz verdient. Der Neubau wird das wissenschaftliche Arbeiten zu Tierseuchen auf allerhöchstem Niveau ermöglichen. Ich bin deshalb gerne und auch auf den Ratschlag von Bundesministerin Ilse Aigner hin der Einladung gefolgt, um das Hochsicherheitslabor, das einzigartig ist, und die neuen Ställe einzuweihen. Sie dienen künftig dazu, die Arbeit mit Tierseuchenerregern bis zur höchsten Sicherheitsstufe durchzuführen. Dafür ist eine vernünftige und hervorragende Abschirmung notwendig.

Allein die geographische Lage deutet darauf hin, dass das hier einfacher als woanders ist. Denn dieses Prinzip gilt nicht erst seit heute, sondern es galt von Anfang an, wenn auch unter ganz anderen Voraussetzungen. Deshalb hat Friedrich Loeffler vor über 100 Jahren die abgeschiedene Insel Riems für seine Forschungsarbeiten genutzt, die sich damals um die Maul- und Klauenseuche drehten. Er wollte den Landwirten in der Umgebung die Angst vor der Ansteckungsgefahr nehmen. Damals war ja noch sehr wenig über Viren bekannt. Aber die Entscheidung für ein abgeschirmtes Experimentieren hat sich dann doch als wegweisend erwiesen.

Das neue Hochsicherheitslabor ist so etwas wie die neuzeitliche Entsprechung der damaligen Maßnahmen. Mit den dazugehörigen Ställen bildet es einen von drei Bauabschnitten des Friedrich-Loeffler-Instituts auf der Insel Riems, aber es ist der bei weitem umfangreichste Bauabschnitt. Deshalb bin ich auch gerne heute hierhergekommen.

Für das gesamte Vorhaben hat der Bund 350 Millionen Euro bereitgestellt. Es ist aktuell das größte Bauprojekt des Bundes in der Forschungslandschaft. Und ich bin ganz davon überzeugt – auch nachdem ich mich hier mit dem vertraut gemacht habe, was hier geschieht –, dass es gut angelegtes Geld ist.

Hervorragende Arbeitsbedingungen sind noch keine hinreichende, aber eine notwendige Voraussetzung für exzellente Wissenschaft. Wir wissen: Die Grundlagen zu erforschen, die mit der Gesundheit von Mensch und Tier und auch den Wechselwirkungen zu tun haben, ist von allergrößter Bedeutung.

Im Augenblick ist es gerade so, dass Vogelgrippe, Schweinepest und dergleichen in der Öffentlichkeit kaum eine Rolle spielen. Aber wir wissen aus leidvollen Erfahrungen alle, dass sich das von einem Tag zum anderen ändern kann. Angesichts der globalen Verknüpfungen müssen wir damit rechnen, dass immer wieder gefährliche Krankheitserreger und darunter auch immer wieder neue gefährliche Krankheitserreger von sich reden machen. Dann heißt es, schnell und effektiv forschen und reagieren zu können.

Wir alle wissen, dass die Öffentlichkeit schon entsetzt ist, wenn man nach fünf oder sieben Tagen noch nicht ganz genau weiß, was Sache ist. Ich glaube, auch dazu müssen wir manchmal sagen: Überlegt euch einmal, was das für riesenhafte Leistungen sind, die da erbracht werden, wenn Erreger oft in kürzester Zeit identifiziert werden und auch noch Gegenmaßnahmen möglich sind.

Diese Zukunftsorientierung verbindet Wissenschaft und Politik. Fachkundige Experten ermöglichen es uns politischen Entscheidungsträgern überhaupt erst, neue Herausforderungen richtig einzuschätzen. Dabei sind wissenschaftliche Erkenntnisse dann wieder in eine Sprache zu übersetzen, die auch Laien verstehen.

Dieser Prozess von der Erkundung und des Hinweisens auf neue Herausforderungen bis hin zur Akzeptanz im Regierungsbereich und bis hin zum parlamentarischen Bereich ist etwas ganz, ganz Wichtiges. Dabei spielt die Ressortforschung des Bundes eine sehr wichtige Rolle. Sie ist sozusagen die Brückenfunktion und für uns beziehungsweise für die Politikberatung unerlässlich.

Dennoch wird immer wieder gefragt: Ist Ressortforschung so gut wie Forschung in unabhängigen Forschungseinrichtungen? Ich darf sagen, dass das Friedrich-Loeffler-Institut seine Aufgaben in hervorragender Weise erfüllt. Dank an alle, die daran mitwirken – auch angesichts der Umstände, die eben noch einmal geschildert wurden, nämlich der Konzentration der Forschung. Wir sind als Bundesregierung mit der fundierten, schnellen und unabhängigen Beratung absolut zufrieden.

Auf das Friedrich-Loeffler-Institut ist Verlass, gerade in Krisenzeiten. Sie sind die Experten für Tiergesundheit. Sie wissen, worauf es beim Schutz vor Krankheiten ankommt. Aber Sie kennen sich auch ganz besonders gut mit den sogenannten Zoonosen aus, also mit Infektionen, die zwischen Tier und Mensch übertragbar sind. Und das ist ja auch immer ein ganz kritischer Punkt, nach dem die Bevölkerung natürlich jeweils fragt.

Die Qualität der Ressortforschung ist ganz herausragend. Wir wollen auch, dass diese Qualität so gut ist. Ich freue mich, dass der Wissenschaftsrat dem Friedrich-Loeffler-Institut ein exzellentes Zeugnis ausgestellt hat. Man sieht: Man braucht gar keine Sorgen hinsichtlich der Gutachten zu haben. Der Wissenschaftsrat bezeichnet das Friedrich-Loeffler-Institut als „eine in Deutschland einzigartige, herausragende Beratungs- und Forschungseinrichtung des Bundes“. Die Bewertung hat das Bundeslandwirtschaftsministerium in Zusammenarbeit mit Ihnen angestoßen.

Besser kann es gar nicht sein. Wenn ich lese, dass außer in Kanada und in Australien solche Einrichtungen auf der Welt nicht existent sind und dass hier auch noch die modernste steht, dann müssen wir aufpassen, dass der Besucherverkehr zu Ihnen Sie zum Schluss nicht noch von der Arbeit abhält. Das wäre auch nicht gut. Aber die internationale Vernetzung ist natürlich eine Qualität an sich.

Die hiesigen Investitionen fügen sich in die Anstrengungen der Bundesregierung ein, gerade im Bereich von Forschung und Bildung sehr viel zu tun. Wir haben allein in den letzten vier Jahren mehr als 13 Milliarden Euro zusätzlich in Bildung und Forschung gesteckt. Ich war neulich an der Universität Greifswald. Auch dort hat sich der Bund beteiligt.

Ich möchte Ihnen damit nur sagen, dass wir uns in der gesamten Bundesregierung absolut einig sind, dass die Zukunft des deutschen Wohlstands untrennbar mit einer herausragenden Forschungslandschaft in Deutschland, mit herausragenden Forscherinnen und Forschern und mit all Ihren Helferinnen und Helfern verknüpft ist.

Mir ist zu Ohren gekommen, dass es hier noch Fragen der Einstufung gibt, was die Fachtätigkeiten anbelangt. Wir werden ein Auge darauf haben, dass das gerecht erfolgt. Wir haben nämlich ein hohes Interesse daran, auch im öffentlichen Bereich gute und herausragende Fachkräfte zu haben. Dabei greift ein Rädchen in das andere.

Meine Damen und Herren, bei Ihnen im Friedrich-Loeffler-Institut sind die Weichen für eine erfolgreiche Zukunft bereits gestellt. Sie decken ein breites Forschungsspektrum ab. Sehr geehrter Herr Professor Mettenleiter, Sie selbst sind ja, wenn ich das recht gesehen habe, auch eine Brücke zwischen der Universität Greifswald und dem hiesigen Institut, das international als Institution anerkannt ist. Sie sind wettbewerbsfähig. Und Sie gehören zur Spitzenklasse. Das ist nur auf breiter Basis möglich.

Der Forschungsgegenstand wird Ihnen nicht verloren gehen. Nach allem, was man weiß, werden sich Viren immer wieder Wege suchen, sich auszubreiten, auch wenn uns Menschen das nicht passt. Da wir an vielen Stellen auch Raubbau an unserer Natur betreiben und die Diversität unserer natürlichen Lebensgrundlagen manchmal etwas einengen, werden wir in Zukunft eher noch mehr als weniger darauf achten müssen, die Tierkrankheiten und Tierseuchen erforschen und das Übergreifen auf den Menschen verhindern zu können, aber eben auch zu lernen, wie wir möglichst Bedingungen für die Tiere schaffen, bei denen die Anfälligkeit für bestimmte Seuchen nicht so groß ist. Auch das ist eine große Aufgabe.

Ich bedanke mich bei Bundesministerin Ilse Aigner und dem gesamten Landwirtschaftsministerium. Ich bedanke mich bei dem zuständigen Ausschuss im Deutschen Bundestag. Man muss ja auch immer die entsprechende Arbeit in Richtung des Haushaltsausschusses leisten, damit der bei den vielen Wünschen, die es gibt, auch die richtigen Prioritäten setzt. Hier und in diesem Falle ist das gut gelungen.

Das Friedrich-Loeffler-Institut ist für die Region ein wichtiger Baustein – ich möchte nicht von „Schmuckstück“ sprechen, denn wenn es um Krankheiten geht, ist man ein bisschen gehemmt, so davon zu sprechen – und eine ganz wichtige, herausragende Institution, die die Forschungslandschaft hier im Norden komplettiert.

Ich habe neulich schon bei der Einweihung eines Gebäudes an der Universität Greifswald darauf hingewiesen: Der Norden wird von sich reden machen, auch im Hinblick auf die Forschungslandschaft. Greifswald ist ein ganz herausragendes Beispiel dafür – von der Fusionsforschung über die Tierseuchenforschung bis hin zu vielen anderen Bereichen.

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, danke, dass wir heute hier zusammen sein können. Es ist ja vielleicht die richtige Reihenfolge, dass bei der Grundsteinlegung noch der Sturm tobte und bei der Einweihung dann die Sonne lacht. Insofern freue ich mich, jetzt noch etwas davon zu sehen, was in Zukunft Ihre Arbeitsstätten sein werden und wo Sie dann Ihre Tätigkeiten ausüben können. Alles Gute für die Arbeit! Alles Gute für das Zusammenwachsen des Instituts! Der wissenschaftlichen Basis wird es mit Sicherheit guttun. Danke, liebe Ilse Aigner, und Dank dem Deutschen Bundestag!

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