Mittwoch, 14. Dezember 2016

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Empfang von Angehörigen von Soldaten der Bundeswehr sowie von Polizisten im Auslandseinsatz am 14. Dezember 2016

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
14. Dezember 2016, Mittwoch
Ort:
Berlin

im Bundeskanzleramt

Liebe Frau Ministerin, liebe Ursula,
lieber Herr Minister, lieber Thomas de Maizière,
sehr geehrter Herr Generalinspekteur, lieber Herr Wieker,
aber vor allem Sie, liebe Angehörige von Soldaten und Polizisten – es sind diesmal keine Angehörigen von Soldatinnen und Polizistinnen dabei –,

ich möchte Sie ganz herzlich hier begrüßen – inklusive der Kinder. Nicht immer ist unser Publikum hier im Bundeskanzleramt so jung. Es ist eine gute Tradition, die wir alle miteinander sehr gerne pflegen, dass wir hier mit Ihnen ein bisschen Zeit verbringen und dass Sie vorher schon einmal das Kanzleramt kennenlernen. Das soll stellvertretend für viele, viele Soldaten und Polizisten auch eine Anerkennung für das sein, was die Familien leisten, wenn die Väter und Söhne weg sind und gerade auch an den Weihnachtsfeiertagen nicht zu Hause sind.

Ich habe heute schon in einer Videoschaltung die verschiedenen Einsatzorte sozusagen besichtigt und von einigen der dort anwesenden Soldaten hören und sehen können, wie es ihnen geht. Ich habe auch einige Grüße zu übermitteln, stellvertretend für viele andere.

Die Zahl unserer Einsatzorte hat sich nicht verringert, sondern ist größer geworden – von Afrika über das Mittelmeer bis nach Afghanistan und Irak. Nach wie vor zählt auch der Kosovo dazu. Ich habe heute gesagt: Die Kosovaren könnten sich einmal mehr anstrengen, sodass wir dort dann vielleicht irgendwann unser Engagement deutlich reduzieren können und viele wieder zurückkehren können.

Ich weiß, dass Sie auf ganz andere Art genauso viel wie Ihre Söhne und Ehemänner leisten, wenn Sie das Leben wie Alleinerziehende führen und alles allein mit den Kindern auf die Reihe bringen müssen. Die Frau Ministerin weiß genauso wie auch der Bundesinnenminister, der für die Polizisten verantwortlich zeichnet, dass das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie inzwischen ein sehr, sehr wichtiges ist. Aber die Arbeit bzw. die Belastung verbleibt natürlich doch in ganz erheblichem Maße bei Ihnen und muss getragen werden; bei den Eltern natürlich auch. Hinzu kommt die Sorge – weil es zum Teil auch nicht einfache Einsätze sind –, was die Gesundheit und das Wohlbefinden anbelangt.

Wenn man von den Geschehnissen beim Generalkonsulat in Masar-e Scharif hört oder wenn man weiß, wie es in Mali ist, wenn man von den dortigen Entwicklungen hört oder wenn man auch sieht, was in Erbil los ist – ich habe eben unsere Piloten und Soldaten in İncirlik zu erwähnen vergessen, mit denen ich natürlich auch gesprochen habe –, dann denkt man schon auch täglich daran, auch ein Stück weit mit Bangen. Sie wissen aber, dass die Bundeswehr und die Polizei alles versuchen, um Sicherheit gut zu gewährleisten. Ich glaube, dabei sind wir Spitze. Aber es bleibt trotzdem immer auch eine nicht ganz einfache Aufgabe.

Was ich Ihnen aus meinen Besuchen in Ländern erzählen kann, in denen unsere Soldaten und Polizisten stationiert sind, ist, dass es vor Ort jeweils eine unglaubliche Anerkennung gibt. Gerade die deutschen Soldaten und Polizisten werden dort sehr geachtet. Sie sind militärisch und sicherheitstechnisch gut ausgebildet. Aber auch, was die gesamte Einbettung in das jeweilige politische Umfeld angeht, versuchen wir natürlich, das Notwendige zu tun und gute diplomatische, außenpolitische Beziehungen zu diesen Ländern zu pflegen, sodass Sie und Ihre Angehörigen sozusagen Teil einer Gesamtkraftanstrengung sind, politische Lösungsmöglichkeiten zu suchen, Entwicklungshilfe zu leisten und eben auch Sicherheit durch militärische Aktivitäten zu garantieren.

Ich hoffe, dass sich das Klima Ihnen gegenüber, was die deutsche Gesellschaft anbelangt, in den letzten Jahren nicht verschlechtert hat. Es ist zu bestimmten Zeiten noch rauer gewesen. Aber ich glaube, es strömen Ihnen auch manchmal Fragen entgegen wie „Warum macht Ihr Mann das?“ oder „Warum macht Ihr Sohn das?“ oder „Ist das denn nun wirklich eine Arbeit, wenn damit so viel Anstrengung verbunden ist?“. Deshalb sage ich aus vollem Herzen: Wir danken Ihnen. Die gesamte Bundesregierung dankt Ihnen dafür, dass Sie das mittragen, dass Sie Ihre Söhne und Männer nicht permanent entmutigen, diese Arbeit zu machen, sondern sagen, dass Sie sie unterstützen.

Wir haben jetzt Gelegenheit, auch noch einmal ohne die Fotografen, die wir natürlich sehr begrüßen, über die einzelnen Situationen zu sprechen. Die Kinder vermissen ihre Eltern natürlich am allermeisten, glaube ich, wenn Weihnachten ist. Insofern danke ich, dass ihr heute auch mit hierhergekommen seid. Ich habe gehört, die Fregatte „Mecklenburg-Vorpommern“ begibt sich jetzt auf Heimfahrt, aber dafür ist natürlich wieder ein anderes Schiff weggefahren. Lassen Sie uns jetzt noch ein bisschen miteinander sprechen. Herzlich willkommen hier im Bundeskanzleramt.

Impressum

Datenschutzhinweis

© 2019 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung