Montag, 28. September 2015

Rede von Bundeskanzlerin Merkel beim Global Leaders‘ Meeting on Achieving Gender Equality and Women’s Empowerment: „A Commitment to Action“ am 27. September 2015

Redner:
Angela Merkel
Gehalten:
27. September 2015, Sonntag
Ort:
New York

Sehr geehrter Herr Präsident Xi Jinping,
sehr geehrter Herr Generalsekretär,
Präsidenten,
Exzellenzen,
Frau Exekutivdirektorin,

vor wenigen Tagen waren rund 50 Frauen zu Gast beim G7-Dialogforum in Berlin. Sie kamen aus verschiedenen Ländern. Sie haben unterschiedliche Aufgaben und verfolgen jeweils eigene Ziele. Aber in einem waren und sind wir uns einig: Frauen müssen eine stärkere Rolle in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft spielen. Das ist schlichtweg eine Frage der politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vernunft. Wo Frauen wie Männer an allen Lebensbereichen teilhaben, wo sie ihr Wissen und Können einbringen, wo sie sich entfalten können, dort ist die Chance auf Entwicklung ungleich höher. Wo Frauen aber Rechte und Freiheiten vorenthalten werden, wo sie systematisch Demütigung und Missbrauch erfahren, dort sind der Entwicklung enge Grenzen gesetzt.

Vor allem in Konfliktregionen ist Gewalt gegen Frauen grausame Realität. Ob in Syrien oder im Irak, ob in Nigeria oder im Südsudan – die Geschichten ähneln sich: Frauen und Mädchen werden aus ihren Familien gerissen, vergewaltigt und versklavt. Und doch steht jede Geschichte für sich. Jede für sich erzählt von unermesslichem Leid und oft auch vom Ende der Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben. Jede einzelne dieser Geschichten ist uns eine dringende Mahnung, der Sicherheitsresolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit mehr Geltung im Alltag zu verleihen.

Auch Frauenrechte sind Menschenrechte. Ist es nicht eine Schande der Menschheit, wenn wir das immer noch betonen müssen? Doch es ist so: Frauen brauchen dringend mehr Schutz in Kriegs- und Krisengebieten. Frauen brauchen mehr Mitsprache zur Prävention und zur Bewältigung von Konflikten. Anders ausgedrückt: Wir brauchen Frauen für Frieden, wir brauchen Frauen für Entwicklung.

In diesem Bewusstsein haben wir Schwerpunkte beim diesjährigen G7-Gipfel gesetzt: mit unserem Bekenntnis zu den Prinzipien zur Stärkung von Frauen, mit einer Initiative zu ihrer beruflichen Bildung in Entwicklungsländern und mit dem Beschluss, unternehmerische Selbständigkeit von Frauen zu fördern.

Auch Deutschland hat noch viel zu tun. Wir haben daher die Leistungen für Kinderbetreuung verbessert und wir haben endlich ein Gesetz für mehr Frauen in Führungspositionen.

Meine Damen und Herren, wir alle haben uns 1995 verpflichtet, die Aktionsplattform von Peking umzusetzen. 20 Jahre später setzen wir nun mit dem Ziel Nummer fünf in der neuen Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung ein weiteres Zeichen für Gleichberechtigung der Geschlechter. Zeichen sind gut, Taten sind besser – lassen Sie uns in diesem Sinne Tatkraft entfalten.

Herzlichen Dank.

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