Kanzlerin erhält Abraham-Geiger-Preis

Verdienste um das Judentum gewürdigt

Bundeskanzlerin Merkel hat den Abraham-Geiger-Preis erhalten. Sie setze sich für demokratische Grundwerte und die Freiheit der Religionen ein, so die Jury. "Ich empfinde diese Auszeichnung als eine große Ehre – für mich ganz persönlich, aber gleichsam auch stellvertretend für unser Land", so die Kanzlerin.

Bundeskanzlerin Merkel am Rednerpult
Bundeskanzlerin Merkel wurde mit dem Abraham-Geiger-Preis ausgezeichnet. Foto: Bundesregierung/Denzel

Die Jury lobte "die unerschütterliche Solidarität" der Kanzlerin trotz des zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und Europa. Diese Solidarität trage dazu bei, das Vertrauen für die jüdische Gemeinschaft weiter zu stärken, begründete die Jury des Abraham Geiger Kollegs ihre Entscheidung.

Grundgesetz ist Basis für friedliches Zusammenleben

"Die heutige Veranstaltung führt uns einmal mehr vor Augen, welch großes Geschenk es ist, dass es wieder ein vielfältiges und reiches jüdisches Leben in Deutschland gibt", erwiderte die Bundeskanzlerin auf die Laudatio. Das friedliche Zusammenleben der Religionen bleibe "ein einzigartiger Vertrauensbeweis in die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes, wie sie in unserem Grundgesetz niedergelegt ist", so Merkel.

Das Grundgesetz sei auch das Fundament, um die aktuellen Herausforderungen der Flüchtlingskrise zu meistern. In Artikel eins des Grundgesetzes steht: "Die Würde des Menschen ist unantastbar". Dies sei Mittelpunkt staatlichen Entscheidens und bedeute konkret, "dass jeder, der zu uns kommt, das Recht hat, menschenwürdig behandelt zu werden", so Merkel.

Merkel: Integration von Flüchtlingen braucht Zeit und Geduld

Die Kanzlerin dankte der jüdischen Gemeinschaft für ihre Unterstützung bei der Aufnahme und Integration von Flüchtlingen. "Ich weiß, dass gerade Sie die Größe der Herausforderung besonders gut ermessen können, denn Sie haben in den vergangenen 25 Jahren viele Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion aufgenommen und integriert."

Merkel appellierte zugleich, keine Angst vor Veränderungen zu haben: "Ja, unser Land wird sich verändern. Wir Menschen brauchen Veränderungen, wenn wir nicht stehenbleiben, sondern uns weiterentwickeln wollen." Integration geschehe nicht über Nacht, "Integration ist angewiesen auf die Offenheit derer, die hier schon leben und auf die Bereitschaft derer, die zu uns kommen, unsere Art zu leben, unser Recht und unsere Kultur zu achten", so Merkel.

Das Abraham Geiger Kolleg bildet Rabbinerinnen und Rabbiner sowie Kantorinnen und Kantore für jüdische Gemeinden vor allem in Deutschland aus. Es wurde 1999 gegründet und ist das erste Ausbildungszentrum in Zentraleuropa nach dem Holocaust.

Der Abraham-Geiger-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Das Geld wird die Kanzlerin dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk für dessen interreligiöse Projekte stiften.

Mittwoch, 2. Dezember 2015

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