Helmut Kohl

Helmut Kohl (1982 - 1998)

Aufschwung

Bundeskanzler Helmut Kohl (r.) fährt mit dem neuen ICE-Zug der Bundesbahn ab Bonn-Hauptbahnhof Richtung Koblenz und zurück. Bild vergrößern Helmut Kohl 1985 Foto: Bundesregierung/Schaack

Helmut Kohl, CDU, war 16 Jahre Bundeskanzler der Bundesrepublik. Vielen Menschen ist er als "Kanzler der Einheit" in Erinnerung geblieben, weil es während seiner Amtszeit zur Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten kam.

Helmut Kohl kam 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum an die Regierung. Die Koalition zwischen FDP und SPD war auseinander gefallen, und die Abgeordneten der FDP wählten gemeinsam mit denen von CDU und CSU Helmut Kohl zum Bundeskanzler. Es war der erste Regierungs- und Kanzlerwechsel in der Geschichte der Bundesrepublik, der nicht aufgrund von Bundestagswahlen zustande kam.

Bei der vorgezogenen Bundestagswahl im März 1983 bestätigten die Wählerinnen und Wähler die Koalition aus CDU/CSU und FDP. Seit dieser Bundestagswahl sind im Bundestag auch die Grünen vertreten.

In den ersten Regierungsjahren sorgte Helmut Kohls Regierung mit einer Steuerreform dafür, dass den Bürgern wieder mehr Geld in der Tasche blieb.

Gleichzeitig verringerte sie die Schulden des Staates. Das trug zu einem kräftigen wirtschaftlichen Aufschwung bei. Diese stabile wirtschaftliche Basis erleichterte es ab 1989, die gewaltige Leistung des Aufbaus Ost anzugehen.

Die Einführung des Erziehungsurlaubs sowie des Kinder- und Jugendhilfegesetzes setzten wichtige Akzente für Familien. 1994 führte die Regierung Kohl die Pflegeversicherung ein: Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erhalten seither finanzielle Unterstützung.

Außenpolitisch setzte Kohl in den 80er Jahren die Entspannungspolitik mit dem Ostblock fort und vertiefte die transatlantischen Beziehungen.

Deutsche Einheit

Am 9. November 1989 öffnet die DDR ihre Grenze nach Westberlin und zur Bundesrepublik; nach 28 Jahren fällt die Mauer. Im Bild: Einreisende DDR-Bürger werden am Grenzübergang Helmstedt/Marienborn begrüßt. Bild vergrößern Mauerfall 1989 Foto: Bundesregierung/Specht

In der Sowjetunion leitete der neue Generalsekretär der kommunistischen Partei, Michail Gorbatschow, eine Reformpolitik ein. Sie ging mit den Stichworten "Glasnost" (Offenheit) und "Perestroika" (Erneuerung) in die Geschichte ein. Auch in der DDR forderten die Menschen bald darauf in Massendemonstrationen mehr Freiheiten. Diese hielten sogar an, nachdem die DDR-Führung am 9. November 1989 nach 28 Jahren die Grenzen geöffnet hatte.

Der Ruf nach einem vereinigten Deutschland wurde immer lauter. So ergab sich die historische Chance zur Wiederherstellung der Einheit Deutschlands. Kohl ergriff sie. Er legte dem Bundestag einen Zehn-Punkte-Plan vor, der über verschiedene Stufen auf eine Einheit Deutschlands zielte.

Im Ausland löste die anstehende rasche Vereinigung bei einigen Nachbarstaaten zwiespältige Reaktionen aus. Doch Kohl machte klar, dass für ihn ein vereintes Deutschland nur fest in der Europäischen Union verankert sein konnte. Für ihn waren die deutsche Einheit und die europäische Einigung untrennbar miteinander verbunden.

Kohl wirkte im Kreise der westlichen Verbündeten wie auch gegenüber der damaligen Sowjetunion nachdrücklich für eine zügige Wiedervereinigung.

So traf er sich mit Gorbatschow im Juli 1990 zu entscheidenden Gesprächen. Überdies sorgte er mit seiner Politik dafür, dass auch die kleineren östlichen Nachbarstaaten wie Polen und Tschechien Vertrauen zum zusammenwachsenden und damit größer werdenden Deutschland fanden.

Am 3. Oktober 1990 kam es zur Vereinigung der beiden Teile Deutschlands. Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion ermöglichte, dass auch die Menschen in der bisherigen DDR am erfolgreichen Modell der sozialen Marktwirtschaft teilhaben konnten. Mit dem "Solidarpakt" finanzieren die Bürgerinnen und Bürger seither, dass sich die Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern denen im Westen mehr und mehr angleichen.

Europäische Union

Dass sich die Deutschen nach über 40-jähriger Teilung mit Zustimmung aller außenpolitischer Partner und Verbündeten in Frieden und Freiheit vereinen konnten, machte Kohl zum "Kanzler der Einheit".

In den 90er Jahren setzte sich Helmut Kohl dafür ein, die Europäische Union zu erweitern und zu vertiefen. Seine Verdienste um Europa und seine Rolle als einer der "Väter" des Euro, der gemeinsamen europäischen Währung, brachten Kohl die Auszeichnung als "Ehrenbürger Europas" ein.

Die Bundestagswahlen im September 1998 gewinnen SPD und Grüne. Nach 16 Jahren geht die Kanzlerschaft Helmut Kohls zu Ende. Er ist damit der Bundeskanzler mit der längsten Amtszeit. Etwas mehr als drei Jahre später, am 1. Januar 2002, wird der Euro als Bargeld eingeführt.

Bildnachweis

Impressum

Datenschutzhinweis

© 2019 Presse- und Informationsamt der Bundesregierung